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Einführung in Tara Rokpa 

Weisheit und Psychologie des Buddhismus für westliche Menschen

Akong Rinpoche. Foto: Kristina WedekindTara Rokpa verbindet Methoden und Inhalte des Buddhismus mit Elementen der westlichen Psychotherapie. Tara Rokpa wurde entwickelt von dem tibetisch-buddhistischen Meditationslehrer Akong Rinpoche ( Foto: Kristina Wedekind) in Zusammenarbeit mit westlichen Psychotherapeut/innen.

Tara Rokpa ist ein Entwicklungsweg für heutige Menschen. Es geht darum, als Mensch zu reifen, kreativer und mitfühlender zu werden, ein Gefühl für das ursprünglich Positive zu entwickeln, das in uns steckt und in allem um uns herum. Dies beginnt damit, sich für die eigene innere Erfahrung zu interessieren - wie auch immer sie gerade ist!

Tara Rokpa basiert auf Entspannung, Kreativität, Körperarbeit, Visualisation und Meditation. Eine Psychotherapie im westlichen Sinn kann und will der Tara Rokpa-Prozess nicht ersetzen. In ihm geht es um eine innere Weiterentwicklung, die über den persönlichen Bereich hinausgeht, ohne ihn zu ignorieren. Dieser Weg beginnt nicht erst, wenn persönliche Probleme beseitigt sind, sondern er beginnt mit ihnen. Aber er endet auch nicht, wenn die Probleme bearbeitet sind.
In westlicher Terminologie könnte man dies als eine „Therapie im Salutogenetischen Sinne“ bezeichnen. Alle sechs Dimensionen des psychischen Wohlbefindens, die die empirische Forschung gefunden hat, werden in der Tara Rokpa-Arbeit gefördert: Autonomie, persönliche Entwicklung, Kompetenz im Umgang mit der Umwelt, Lebenssinn, positive Beziehungen, Selbstakzeptanz. Niemand muss ein anderer werden - nur etwas anderes tun! Dabei hilft Tara Rokpa. Dieser Prozess fördert eine langfristige, kontinuierliche Entwicklung über Jahre. Dies steht im Einklang mit der Erfahrung, dass Wachstum Zeit braucht.

Kernstück von Tara Rokpa sind die Entspannungs- und Visualisationsübungen von Akong Rinpoche. Diese Übungen machen die Philosophie, Psychologie und Meditationserfahrung des Buddhismus zugänglich auf einer persönlichen, psychotherapeutischen Ebene ohne religiöse Bindung oder kulturspezifische Ablenkungen. Sie werden unterstützt und befruchtet durch freies Malen und Gestalten, einfache Massage, Schreiben und Erinnern und selbstorganisierte Gruppenarbeit.In den mittleren Phasen des Tara Rokpa-Prozesses wechselt der Schwerpunkt von der Selbsterfahrung zur Arbeit mit Gedanken und Emotionen im buddhistischen Sinne. Die letzten Phasen des Prozesses sind weitgehend identisch mit klassischen Übungen des Mahayana-Buddhismus, wobei eine therapeutische Grundhaltung von Entdeckerfreude und Kritikfähigkeit beibehalten wird.

Einen guten Einblick in der Art der verwendeten Übungen bietet Akong Rinpoches Buch “Den Tiger zähmen”. Eine allgemeine Einführung gibt das Buch von Ulrich Küstner "Tara Rokpa - Weg zu Freiheit und Mitgefühl" (beide Bücher bei edition steinrich).

Akong Rinpoche bezog in die Entwicklung seiner Methode sowohl seine Ausbildung als tibetisch-buddhistischer Meditationslehrer und als Arzt in der klassischen tibetischen Medizin ein, als auch seine Lebenserfahrungen als Flüchtling in Indien und seit 1963 in England, und seine Erfahrungen als langjähriger Leiter des ersten tibetisch-buddhistischen Meditationszentrums und Klosters im Westen, das er 1967 zusammen mit Chögyam Trungpa Rinpoche gründete: Samyé-Ling in Schottland. Mehr Informationen zu Akong Rinpoches Leben und Aktivitäten finden sich auch auf dieser Seite.

Seit den 1980er Jahren brachte er mit Hilfe westlicher Therapeut/innen die Methode in eine lehrbare Form. Seine Hauptmitarbeiter waren: Edie Irwin (Massage und Körpertherapie), Carol Sagar (Kunsttherapie), Dorothy Gunne (Systemische Familientherapie), Brion Sweeney (Psychiatrie/konstruktivistische Psychotherapie) und Trish Swift (Humanistische Therapie).
Als Ergebnis dieser Einflüsse und der jahrzehntelangen Weiterentwicklung nach Teilnehmererfahrungen ist Tara Rokpa eine vielfältige, Herz, Hand und Sinne ansprechende Methode, die nie die Bodenhaftung verliert und immer konkret auf die eigene Lebenserfahrung bezogen bleibt.

Mittlerweile gibt es Gruppen u.a. in England, Schottland, Irland, Deutschland, Belgien, Frankreich, Schweiz, Spanien, Schweden, Finnland, Südafrika, Zimbabwe, Malawi und Botswana.

 

Tara Rokpa-Arbeit ist eigenverantwortlich. Die Gruppen sind selbständig und organisieren ihre Seminare und Treffen
selbst. Die Anleitung und Betreuung erfolgt 3-4x/Jahr in Wochenendseminaren durch ausgebildete Tara Rokpa-
Therapeut/innen. In der Zwischenzeit treffen sich die Teilnehmer/innen im privaten Kreis, um gemeinsam zu üben. Diese Organisationsform fördert das Entstehen einer stützenden Gemeinschaft, die den Freiraum des Individuums achtet. Diese
besondere Art von nicht-wertender Gemeinschaftlichkeit ist eine der Stärken von Tara Rokpa, ein wichtiger Heilungsfaktor.
Tara Rokpa sollte daher nicht mit einer kommerziellen Organisation verwechselt werden - fast alles wird derzeit ehrenamtlich und nebenbei organisiert.

Stufen des Tara Rokpa-Prozesses

Tara Rokpa ist ein stufenweise aufgebauter Übungsweg, dem man über mehrere Jahre folgen kann. Die einzelnen Phasen sind unterschiedlich lang und in sich abgeschlossen. Nach jeder Phase ist es möglich, den Prozess zu beenden. Alle Stufen enthalten Entspannungsübungen, einfache, einfühlende Massage, Visualisierungsübungen, freies Malen und kreatives Gestalten.

1. Zurück zu den Anfängen Ein intensiver Prozess des Erinnerns und Aufschreibens unseres bisherigen Lebens, der Sichtung und Neubewertung unserer Erfahrung. Dies geschieht gleichermaßen im chronologischen Schreiben wie im freien Malen und Gestalten. Ein besonderer Abschnitt beschäftigt sich mit den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum. Zurück zu den Anfängen schließt ab mit einem 5-tägigen Retreat (Klausurkurs).

2. Den Tiger zähmen Eine Serie aufeinander aufbauender Übungen, die sich mit unseren gegenwärtigen Gedanken, Einstellungen und Beziehungen auseinandersetzen.

3. Sechs Lichter und sechs Bereiche Eine Erkundung grundlegender Erlebens- und Gefühlsmuster mit Hilfe des Modells der sechs Daseinsbereiche aus dem Buddhismus. Wir arbeiten dabei besonders mit Farbvisualisationen.

4. Geistestraining - Mitgefühl Wir studieren und praktizieren „Geistestraining/Herzensschulung in 7 Punkten“ und andere Methoden des Mahayana-Buddhismus, um Mitgefühl für uns selbst und alle anderen zu entwickeln.

Nach dem Ende dieser Phase werden weiterführende Kurse angeboten. Auch eine neue Phase (”Path of Heroes”) steht denjenigen offen, die Geistestraining-Mitgefühl abgeschlossen haben.

Organisation

Die eigentliche Tara Rokpa-Arbeit ist individuell und persönlich. Sie wird gestützt durch einen Gruppenkontext:
Regionale Kleingruppen treffen sich in privatem Rahmen(meist 14-tägig) und bilden zusammen eine oder mehrere Großgruppe(n). Die Kleingruppen haben ca. 3-10 Teilnehmer, die Großgruppen ca. 15-30 Teilnehmer. Die Großgruppe nimmt gemeinsam 3-4x/Jahr an überregionalen Wochenendseminaren unter Anleitung der Tara Rokpa-Therapeut/innen teil. Dort werden die Methoden für die individuelle Arbeit der nächsten Monate vermittelt.
Die Seminarorte der Großgruppen richten sich nach der geografischen Verteilung der Teilnehmer. Bei genügender Teilnehmerzahl können auch mehrere Großgruppen parallel bestehen und ihre Seminare an verschiedenen Orten abhalten.


Die laufenden Gruppen des Tara Rokpa-Prozesses sind nach der Anfangsphase geschlossen und selbstorganisiert.
Tara Rokpa veranstaltet die ersten 2-3 Wochenendkurse, danach ist die Gruppe gemeinsam für Organisation, Kostenumlage, Terminplanung und Seminarhausbuchung verantwortlich.
Tara Rokpa stellt die Therapeut/innen (festes Tageshonorar)und vermittelt bei Bedarf örtliche Unterstützung durch Helfer/innen aus älteren Tara Rokpa-Gruppen (ehrenamtlich). Die Kosten für die Teilnehmer/innen sind abhängig von der Gruppengröße und den von der Gruppe gewählten Veranstaltungsorten. Erfahrungsgemäß betragen die Kosten für die Teilnehmer etwa 30 Euro pro Monat (plus eigene Reise- und Unterkunftskosten).



Tara Rokpa-Gruppen gibt es neben Deutschland auch in England, Schottland, Irland, Belgien, Frankreich, Spanien, Schweden, Finnland, in der Schweiz und im südlichen Afrika.