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Über die Methoden in Tara Rokpa


Massage


von Edie Irwin


Eine der Gruppenaktivitäten in dieser Arbeit ist Massage. Selbst einfache Massagen sind der Entspannung sehr förderlich. Eine mitfühlende Motivation - der Wunsch, der anderen Person etwas Gutes zu tun, ohne etwas dafür zurückzubekommen - ist der Schlüssel zu dieser Art Massage.

Selbst wenn ihr nur die Hände massiert, könnt ihr mit großer Wahrscheinlichkeit der anderen Person helfen, einen entspannteren und offeneren Aspekt von sich zu erfahren.

Massage tut auch der Person gut, die sie gibt. Wir können so unser Mitgefühl unmittelbarer als es oft möglich scheint entwickeln und zum Ausdruck bringen. Wir gewinnen Vertrauen in unseren Wert für andere und durchbrechen unsere Angst, andere zu berühren. Darüber hinaus entwickeln wir, indem wir lernen, anderen auf diese Weise zu helfen, ein Interesse an unserer körperlichen Existenz - was Ängste und Unwissenheit auf diesem Gebiet auflösen kann.

Viele Erwachsene haben seit ihrer Kindheit wenig körperliche Zuwendung und Berührung erfahren. Genauso ergeht es vielen mit dem Selbstausdruck durch Farben. Wenn wir wie die Kinder mit Farben spielen, können wir auf eine einfache, unschädliche Weise unsere Gefühle ausdrücken und so in eine unmittelbare Kommunikation mit uns selbst eintreten. Die Betonung liegt hier auf Spontaneität, darauf, eine Form zu finden, in der wir unsere Gefühle unverstellt äußern. Es wird hier kein Wert auf „Kunst" gelegt. Es ist nicht wichtig, ob es „schön aussieht". Manchmal müssen wir zulassen, daß wir die häßlichen Seiten ebenso ansehen wie die schönen.

Die Arbeit mit Farben und natürlichen Bildern hat einen weitere Nutzen; sie führt uns in einen Bereich unseres Geistes, der tiefer geht als Sprache. Als Kinder konnten wir Dinge sehen und bildhaft wahrnehmen, lange bevor wir sie in Worte fassen konnten. Wenn wir uns an die frühen Jahre unseres Lebens erinnern, fällt es uns möglicherweise leichter, Gefühle in Bildern auszudrücken als in Worten.

(aus: „Zurück zu den Anfängen")


Kunsttherapie


von Carol A. Sagar


Kunsttherapie hat nicht das Ziel, Kunstwerke hervorzubringen - obwohl durchaus welche entstehen können! Die Kunsttherapie in Tara Rokpa bietet einen sicheren Raum und eine nicht-urteilende, annehmende Beziehung. So lernen die Menschen, der Situation zu vertrauen und die Kunstmaterialien auf vielerlei Art und völlig nach eigener Wahl zu benutzen.

Dies greift ganz real auf die heilenden und kreativen Energien zurück, die das Potential aller Menschen sind. Um diese Kreativität zu verwirklichen, nutzen die Teilnehmer den geschützten, haltenden Raum dieser Arbeit, um Gefühle gewärtig zu machen und auszudrücken; Gefühle, die in Beziehung zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen.

Im Umgang mit den Kunstmaterialien läßt die Ich-Kontrollfunktion nach, unterdrücktes Material wird bewußtseinsnäher und es kann ein Prozess psychologischer Neustrukturierung und Reintegration folgen.


Therapie und Buddhismus


von Brion Sweeney


In der westlichen Medizin, in Psychiatrie und Psychotherapie gibt es eine starke Betonung von Krankheit. Es herrscht dort eine Vorstellung, daß etwas grundsätzlich nicht in Ordnung sein muß mit Menschen, die Probleme haben. Psychologisch-diagnostische Begriffe sind sehr stark Teil unserer Sprache und dessen, wie wir uns selbst sehen, fast das moderne Äquivalent der Erbsünde.

Es gibt aber auch im Westen Modelle, nach denen es Fehlkommunikation oder Fehlkoordination geben kann ohne eine grundsätzliche Pathologie, zum Beispiel in den systemischen Theorien.

Ein solches Verständnis gibt es im Osten, im Buddhismus schon sehr lange. Im Mahayana lehrte der Buddha so etwas wie eine `grundlegende Gutheit', Buddhanatur, in der Essenz jedes Wesens.

Das soll nicht heißen, daß wir nicht gewohnheitsmäßige Verhaltenmuster haben, die Probleme machen, oder daß viele von Freuds Theorien z.B. über Abwehrmechanismen nicht sehr präzise und korrekt sind. Wir fürchten uns vor Dingen außerhalb von uns und verteidigen uns gegen sie durch Abwehrmechanismen, was gar nicht sein müßte, und schaffen dadurch unnötig Probleme.

Aber dieses Verteidigen, diese Abwehr aus Furcht, muß nichts Grundlegendes sein, keine grundsätzliche Pathologie.

Die buddhistische Sicht des Geistes eröffnet die Möglichkeit, daß wir die Welt erfahren können ohne diese ständige Verteidigungshaltung, ohne emotionale Wolken zwischen uns und der Realität, ohne das Leiden, das diese Abwehr erzeugt. Wir können in uns Freude finden und die Fähigkeit zu größerer Fürsorge für andere, für ein sehr volles Leben.

Theoretisches Verständnis reicht nicht aus. Im Westen sind wir immer sehr hungrig nach Konzepten, und wir haben die Vorstellung, wenn wir nur das richtige Konzept bekommen, dann ist das wie ein goldener Schlüssel. Aber ich möchte betonen, daß wir mit der eigenen Erfahrung arbeiten müssen, und das kann Zeit und harte Arbeit bedeuten.

(aus einem Vortrag in Berlin im Aug. 1996)