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Sechs Lichter

Vorheriges Modul: Den Tiger zähmen 1

Die Übungsphase „Sechs Lichter“ geht zurück auf „Die Regenbogenkugel“ im Buch Den Tiger zähmen, wurde jedoch um zwei weitere Teile erweitert, so dass sie in der heute gängigen Form über ca. 6 Monate geübt wird.

Ein längeres Zitat aus dem Buch Tara Rokpa – Weg zu Freiheit und Mitgefühl (Auszüge ab Seite 103) soll diese Arbeit hier erläutern:

Arbeit mit den Emotionen

„Die „Sechs Lichter“ sind imaginiertes farbiges Licht in verschiedenen Farben (weiß, gelb, rot, grün, hell- und tiefblau). Im Gegensatz zu anderen Methoden, die Visualisierungen verwenden, gibt es hierbei zunächst keine besondere Form, die vorgestellt wird. Das Licht ist einfach nur Licht, und es wirkt je nach Farbe auf ein bestimmtes Gefühl. Mit Gefühlen sind hier die sechs Grundemotionen bzw. Geisteszustände die die buddhistische Psychologie „störende Gefühle“ nennt, gemeint. Diese schaden uns und anderen mehr, als dass sie nutzen. Sie untergraben unsere Lebensfreude, zerstören unsere Beziehungen und verhindern den Zugang zu unserer innersten Natur. Mit ihnen zu arbeiten wird als eine der wichtigsten Aufgaben buddhistischer Übung gesehen.“

Die Emotionen und ihre Beziehung zu den sechs Lichtfarben

  1. Stolz und Arroganz: Schneeweiß
  2. Eifersucht und Neid: Sonnengelb
  3. Begehrlichkeit und Unersättlichkeit: Natürliches Grün
  4. Dumpfheit und Trägheit: Himmelblau
  5. Mangel und suchtartige Gier: Großzügiges Rot
  6. Hass und Aggressivität: Kräftiges Blau

„Der Blick in die Literatur zeigt uns, dass diese Liste keineswegs nur buddhistisch ist, sondern dass es sich bei den negativen Auswirkungen der genannten „störenden Gefühle“ um universelle Themen der Menschheit handelt. J. W. v. Goethe schreibt in seinem epischen Gedicht Achilleis: „Denn im Busen des Menschen ist stets des unendlichen Haders Quelle zu fließen geneigt, des ruhigsten Hauses Verderber. Neid und Herrschsucht und Wunsch des unbedingten Besitzes.“

Mani-Stein in Samye Ling
Mani Stein in Samye Ling. Bildquelle

… Wir schauen ruhig und lange in uns, in unsere Lebenserfahrung, in der Vergangenheit und im jetzigen Leben. Dabei versuchen wir, so offen und ehrlich wie möglich zu erkennen, ob dieses Gefühl, dieser Geisteszustand bei uns vorkommt und welche Auswirkungen er auf uns und unsere Umgebung hat.

Beim hellblauen Licht zum Beispiel beschäftigen wir uns mit dem Thema Stumpfheit und Dummheit, und wir schauen uns an, wo sie in unserem Leben vorkommt, wo wir selbstgefällig und träge sind.

Es geht bei dieser Kontemplation nicht darum, uns einzureden, dass ein bestimmter Geisteszustand schädlich sei, nur weil das die Übung so sagt. Nur das, was wir aus eigener Einsicht als störend und schädlich erkennen, kann verändert werden. Diese Kontemplation macht die erste Hälfte der Übungssitzung aus.“ (Ende Zitat aus Tara Rokpa – Weg zu Freiheit und Mitgefühl).

Danach beginnt dann die eigentliche Übung mit dem farbigen Licht.

Nächstes Modul: Sechs Bereiche

Beitragsbild: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Om-mani-padme-hum_02.svg]